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Vom Lieblingsspiel ausgeschlossen: Tourette-Kranker erhält permanente Sperre

Vom Lieblingsspiel ausgeschlossen: Tourette-Kranker erhält permanente Sperre

Online spielen bedeutet für die meisten großen Stress, denn in den vergangenen Jahren haben sich durch die bekanntesten Multiplayer-Spiele Muster der aktiven Beleidigungen geformt, denen man nun nur noch schlecht aus dem Weg gehen kann. Nur eine unglückliche Runde kann oft der Auslöser für wütende Stimmen sein, obwohl man sein Bestes gibt. Wer dies kennt, hat wahrscheinlich schon einige Partien Counter-Strike, League of Legends oder ähnliche Spiele hinter sich und eventuell mit den genannten Games schon komplett abgeschlossen. Alternativ haben ebenso viele den Ball wahrscheinlich schon einmal zurückgespielt, ob aus Frust und Verzweiflung oder auch unkontrollierbarer Wut.

Kevin D. sitzt auf der aktiven Seite – Und das nicht, weil er es sich ausgesucht hat. Der momentan 12-Jährige zeigte vor fünf Jahren erste Anzeichen des Tourette-Syndroms, einer nervlichen Krankheit, die unkontrollierbare motorische Tics auslöst. Zu diesen können mitunter Beleidigungen gehören, weshalb Kevin kaum noch in der Öffentlichkeit Fuß fassen kann, ohne sich schämen zu müssen. Wie viele andere Gleichaltrige spielt auch er Videospiele, um mit seiner Erkrankung niemanden zu belasten. Sein Lieblingsspiel: Minecraft.

Vom Architekt zum Arschitekt

Auf einem öffentlichen Minecraft-Server hat Kevin geschafft, was ihm im echten Leben seit Jahren verwehrt war: Freunde mit gemeinsamen Interessen zu finden. Mit diesen baut er in seiner Zeit außerhalb der Schule, die er inzwischen nicht mehr besucht, über mehrere Monate riesige Häuser und anderes auf – Bis zum Rückschlag. Seine Krankheitssymptome verstärken sich und er verliert die Kontrolle auch im Spiel. An einigen Tagen fällt es kaum auf, am nächsten ist nicht mit ihm zu reden.

Aufgrund seiner Tics benutzt Kevin nun oft ungewollt den intergrierten Textchat des Spiels, wobei er hiermit aufgrund der hohen Popularität des Servers auch Spieler erreicht, die ihn nicht kennen. Unter seinen Nachrichten befinden sich Zeilen wie:

Darf ich mir ein NEGERFOTZEN- äh Netherportal von jemandem leihen?

Da den Administratoren des Servers nicht von der Erkrankung Kevins bekannt war, wird er von seinem Lieblingsserver ausgeschlossen. Trotz Trauer kommt er auf einem anderen Server schnell wieder in seine Routine, bis ähnliche Geschehnisse auch dort für eine Sperre sorgen. Dann folgt das Unerwartete: Kevins Minecraft-Account erhält einen globalen Ban.

Diese Ausbrüche sorgten für eine permanente Sperre.

Diese Ausbrüche sorgten für eine permanente Sperre.

Nie wieder Minecraft – Mutter empört

In einer direkten E-Mail wendet sich Kevins Mutter an das Game-Gesell-Team. Sie hat für die Sperre absolut kein Verständnis:

Ich verstehe nicht, warum diese WICHSER Menschen meinem armen Kevin das antun. Wenn man so wenig Verständnis ARSCHFICKGEIGEN hat, sollte man sich doch SCHEIßFICKFICK informieren, anstatt meinen DRECKSWICHSARSCH Sohn komplett auszustoßen.

(Zitiert mit Erlaubnis der betroffenen Person)

Darüber hinaus wandte sie sich mit einer weiteren Anfrage an Mojang, das Entwicklerstudio hinter Minecraft. Hiermit hofft sie, die Unwissenden über ihren Sohn aufklären zu können, damit dieser in seiner Freizeit wieder entspannt spielen kann. Eine Reaktion gab es zwar noch nicht, jedoch ist damit dank der Aufmerksamkeit, die Kevins Story erhalten konnte, sehr bald zu rechnen.

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